3pl unterwegs
DVZ Spezialausgabe China
Logistik in China: Von der Duty Exempt Application von Industrieanlagen in China über Transportorganisation und -steuerung bis zur Materialausgabe auf der Baustelle - ein Bericht der DVZ, Deutschen Verkehrszeitung, über Aktivitäten der 3pl im Reich der Mitte
Der reine Transport von Gütern zwischen China und Europa stellt für die westliche Industrie und den Handel inzwischen keinerlei Probleme mehr da. Problematisch ist jedoch der Import von Komponenten im Anlagenbau sowie die temporäre Einfuhr von Ausrüstungsteilen im Fahrzeug- und Maschinenbau nach China unter dem Gesichtspunkt des „Duty exempt“.
Der chinesische Zoll unterscheidet - ähnlich wie in Europa - zwischen dem einfachen Warenimport und einigen Sonderfällen, wie dem der temporären Einfuhr zum Beispiel zwecks Warenveredelung bis hin zu Sonderregelungen im Falle von ausländischen Investitionsprojekten im Anlagenbau. Mit dem Ziel Investoren in das Reich der Mitte zu locken, bieten die Behörden Anreize, indem westliche Industriegüter teilweise vom Einfuhrzoll befreit werden. Die Befreiung bezieht sich vor allem auf so genannte Main Equipments, also Hauptausrüstungsteile wie Maschinen, Generatoren, Aggregate. Nebenausrüstungen, wie Ersatzteile und Materialien, die üblicherweise auch in China zu beziehen sind, unterliegen einem Einfuhrzoll von durchschnittlich 10 Prozent. Erfahrungsgemäß liegt im Anlagenbau der nicht vom Zoll befreite Anteil bei knapp über 40 Prozent. Durch eine geschickte Verquickung von Haupt- und Nebenkomponenten beispielsweise durch Suggerieren einer technischen Abhängigkeit beider Ausrüstungsgruppen, kann allerdings eine Zollbefreiung von über 90 Prozent erzielt werden.
Doch hier ist Vorsicht geboten, denn allzu häufig werden beim Abschluss der Verträge die Belange der chinesischen Behörden nicht hinreichend berücksichtigt. Ein fataler Fehler mit unangenehmen Nebenwirkungen – Nachforderungen nicht budgetierter Zölle in Höhe von sechsstelligen Eurobeträgen, Zollstrafen, Zollpfand und nicht zuletzt empfindliche Verzögerungen im Projekt mit drohenden Konventionalstrafen sind eine häufige Folge undurchdachten Handels.
An dieser Stelle wird die Notwendigkeit einer qualifizierten Beratungsleistung durch einen erfahrenen Logistikpartner offensichtlich. Bereits frühzeitig sollte der Berater in das Projekt einbezogen werden, am besten rund 9 Monate vor Auslieferung der ersten Komponenten. Allerdings gibt es nur wenige Dienstleister, die Erfahrung haben in der kompletten Abwicklung der Logistik nach China. Verpackung, Transport, Zollabfertigung bis hin zum Materialmanagement auf Baustellen und in der Fertigung übernimmt die VTS GmbH & Co. KG mit Sitz in Essen in Kooperation mit der Düsseldorfer 3PL Online AG. Während VTS sich mit dem in China bereits hervorragend bewährten Losteilsystem um die Lieferantenkontrolle und Verpackung kümmert, sorgt 3PL Online AG für das komplette Handling der Lieferungen innerhalb Chinas. Deren chinesische Partner und Mitarbeiter kümmern sich vor Ort um die Zollabwicklung, Nachlauftransporte bis hin zum Materialmanagement im Werk des Kunden oder auf der Baustelle.
Im Folgenden sollen zwei Fallbeispiele verdeutlichen, wie sich erfolgreiche von mangelhaft vorbereiteten Projekten und Kooperationen mit Logistikpartnern unterscheiden.
Erfahrenes Zollmanagement als Erfolgsfaktor
Zhangjiagang ist eine der Boomtowns, die entlang der chinesischen Küste aus dem Boden sprießen. Die Stadt liegt am Ufer des Jangtse River, verfügt über einen Hafen und eine Free Trade Zone. Eine vierspurige Autobahn verbindet Zhangjiagang mit dem 200 km entfernt liegenden Shanghai. Die enormen Wachstumsraten überzeugten einen namhaften deutschen Konzern. Bis Juni 2007 wird in Zhangjiagang eine hochmoderne Chemieanlage mit dem Gütesiegel „Made in Germany“ entstehen. Zu diesem Zweck gründete das Unternehmen eine eigenständige Limited in China, rekrutiert Personal, beantragt erforderliche Genehmigungen und A-Lizenzen. Frühzeitig, bereits im Januar 2006 fanden erste Gespräche mit dem Kunden und den China-Experten der VTS und der 3PL Online AG in Shanghai statt. Im Fokus der Besprechungen stand das Design der Master Equipment List (MEL) und der gewünschte Status der Abgabenfreiheit, Duty Exempt. Die Master Equipment List ist das zentrale Dokument, wenn es um die Beantragung der Zollbefreiung bei chinesischen Behörden geht. Alle nachfolgenden Versanddokumente basieren auf dieser Liste.
Gemessen am maximalen Grad der Zollbefreiung des Gesamtprojektes, ist das Layout der MEL sowie die richtige Vorgehensweise im Umgang mit den Behörden der wesentliche Erfolgsfaktor für Kosteneinsparungen, die bis in den Millionen Eurobereich gehen können. Zudem ist die MEL das maßgebliche Dokument für die Business License und der Customs Registration. Die zuständige Behörde für die Registrierung der MEL hängt von der Investitionshöhe des Projektes ab. In der Regel ist das Ministry of Commerce (MOFCOM) oder die Foreign Trade Economic Council (FTEC) der jeweiligen Provinz hierfür zuständig. Die Registrierung der MEL ist per se nicht das Problem, sollte jedoch vergessen worden sein das später für den Import der Güter zuständige Customs Houses (hiervon gibt es alleine in Shanghai neun) bei der Ausarbeitung des Dokumentes zu konsultieren, droht das Projekt unter den endlosen bürokratischen Auflagen aus dem Ruder zu laufen. Die chinesischen Mitarbeiter und Partner von 3PL Online AG stehen im engen Kontakt zu den lokalen Zollbehörden und kennen sich gut aus in dem für Europäer schwer verständlichen chinesischen Beziehungsgeflecht – dem so genannten „Guanxi“.
Die Verhandlungen mit der exekutiven Zollbehörde um die MEL dauern durchschnittlich zwischen drei und fünf Wochen. Erst dann registriert VTS/3PL Online nach zum Teil mühsamen Gesprächen mit MOFTEC, MOFCOM und FTEC die Master Equipment List im Kundenauftrag. Jetzt ist ausschlaggebend für den Erfolg, dass die Verschiffungs- und Zolldokumentation mit der MEL abgestimmt wird. Diese müssen mit der MEL und der Purchase Order harmonisieren und der technische Zusammenhang von abgabenbefreiten Hauptkomponenten zu normalerweise zollpflichtigen Peripheriematerialien muss sich in der Dokumentation widerspiegeln. Ist das nicht gewährleistet, droht der zolltechnische Supergau.
Gewusst wie, lässt sich der Gau jedoch umgehen, indem eindeutig definierte Versandvorschriften und Standard Operating Procedures (SOP) die Abwicklung zwischen Exporteur, Logistikdienstleister und Customs Broker regulieren. Für den Erfolg einer China-Logistik ist die speditionelle Herausforderung nebensächlich, wichtig ist das enge Geflecht von Behördenkontakten und deren Einbindung in das Supply-Chain-Management des Kunden. VTS und 3PL Online bieten als Kooperationspartner sämtliche Leistungen als Lead Logistics Provider mit individueller Kundenbetreuung vor Ort in China an.
Anders als dieses Projekt verhält sich der Fall eines deutsch-chinesischen Joint Ventures in Xiamen, im Südwesten Chinas. Das Unternehmen bezog jährlich weltweit Komponenten für den Bau von Maschinen und Anlagen im Wert von rund 380 Millionen Euro. Gut zwei Drittel der Anlagen waren für den späteren Export aus China vorgesehen. Dabei ging der Kunde bei seiner Preiskalkulation von einer Zollbefreiung der temporär eingeführten Güter aus. Das Gesamtkonzept für die vorübergehende Einfuhr wurde unter starkem Zeitdruck, mit unerfahrenen Partnern und ohne Berücksichtigung der persönlichen Interessen des Zolls erstellt. Innerhalb weniger Monate eskalierte die Situation. Unstimmige Dokumente, eine weitestgehend falsche Tariffierung, unkorrekte Warenbezeichnung und die Angabe falscher Mengen und Gewichte führten in kürzester Zeit zum Vertrauensverlust der einzigen, am Ort ansässigen Zollbehörde. Mit einer Verweildauer im Zoll von durchschnittlich 40 Tagen waren grundlegende Maßnahmen in der Organisation der gesamten Supply Chain die einzige Möglichkeit die Situation in den Griff zu bekommen. In dieser problematischen Situation wurde VTS/3PL Online mit der Übernahme des Projektes beauftragt.
Zunächst führte 3PL Online Gespräche mit dem Zoll, definierte Problemfelder. Auf Basis der Kundendaten wurden MEL und das Zollhandbuch, das so genannte „Red Handbook“ grundlegend überarbeitet. Das VTS-Losteil-Steuerungssystem kam zum Einsatz, wobei jede kleinste Packeinheit mit Barcodes versehen wird, welche wiederum sämtliche Projektdaten enthalten. Dadurch konnte eine auf die MEL abgestimmte vollständige Dokumentation, die dem Zollanspruch genügte, erstellt werden. Drei Mitarbeiter der 3PL Online AG waren dauerhaft beim Kunden vor Ort und stimmten sämtliche Versanddokumente mit dem Zoll vor Einfuhr der Waren ab, nahmen Korrekturen vor. Der Erfolg war signifikant: Binnen drei Monaten konnte die Zolldurchlaufzeit von 40 auf 4 Tage gesenkt werden.
Bitte richten Sie Rückfragen an Jens Kühne, jens.kuehne@3pl-online.com, oder +49 (0211) 669.669.13.